reflections

Über

"Ich bin Borderline" Mutter, 22 und möchte hier über mein Leben mit Borderline berichten und wie die Diagnose mich und mein Umfeld verändert hat.

Das mach ich primär zur Selbstreflektion, Verarbeitung und vielleicht auch, weil ein/e "frischgebackene/r Borderline/r" da draussen rumschwirrt und sich fragt "was jetzt?" (so wie ich selbst).

 

Viel Spaß beim Lesen

 Die Irre

 

P.S. beim namensgebenden F.60.31. handelt es sich um die Klassifikation nach dem ICD-10 

Alter: 25
 


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Blog

Borderline und Ich

Wie sich Borderline auswirkt ist von Charakter zu Charakter unterschiedlich.

Bei mir sind es Stimmungsschankungen, die am meisten belasten, mal fühle ich mich gar nicht "krank" und behaupte überschwinglich und überheblich, wenn schon überhaupt, dann Borderline "light" zu haben, und einen Tag später lieg ich im Bett und zerbreche mir den Kopf wie ich sterben könnte.

 

Ich war schon immer merkwürdig, seit ich denken kann, das wird wohl den meisten Bordis so gehen.  Man  passt nicht so ganz in die Runde, entweder lacht man nicht mit  - oder halt zu laut. Man weiß nicht so recht wo der Unterschied liegt. Man hat das Gefühl es dreht sich alles nur um die eigene Person - und gleichzeitig bekommt man kaum Aufmerksamkeit. Alles steht im Widerspruch, man ist nie glücklich, kann die Unzufriedenheit aber auch nicht beim Namen nennen.

 

 Selbstverletzung ist auch ein großes Thema bei mir, denn das ist wohl das was mit am meisten stört. Die Handlung ist klein, unüberlegt, unvermeidbar, aber die Wirkung ist groß. Man muss die Kleidung den Spuren anpassen oder mit den Blicken leben. Die Messer in der Wohnung sind alle stumpf, und jedesmal wenn ich mich beim Gemüse schneiden darüber beschweren will, fällt mein Blick auf den Arm. Wenn man sich mal einen Tag nicht krank fühlt, überzeugen die Narben vom Gegenteil und wenn ich mich krank fühle steigern sie mich ins "alles ist scheisse"-Gefühl rein. Es ist einfach unvermeidbar - aber trotzdem muss man es sein lassen. Das Thema ist also sehr komplex und ein langer Lernprozess - wie alles bei Borderline.

 

 Ich bin der Meinung, das viele im Umfeld der erkrankten Person, das so gar nicht wahrnehmen. Borderliner bringen oft super Leistungen im Job, arbeiten gerne, viel und sind aufopferungsvoll. Kümmern sich um ihre Mitmenschen und wenn man sie auf dem Flur im Büro trifft, sind es die mit dem größtem Lächeln. Im Freundeskreis sind es die, die alles mitmachen und bis zum letzten Kölsch dem leidigen Liebeskummer des Bekannten mit anhören, obwohl der ihnen noch nie zugehört hat.

Borids sind oft die guten Seelen in oberflächlichen Umfeldern, wobei sie selbst Zwischenmenschliches vermeiden oder den "Everybodys-Darling"-Schein zu bewahren. So ist das bei mir jedenfalls, ich verurteile jede Freundschaft zum scheitern und bisher hatte ich fast immer Recht.

 

Also sind Menschen für mich immer etwas besonderes, das ich ihnen erzähle wer ich bin, ist also eine "Ehre" und eine Belastung. Wie soll ich damit leben, das ich die Menschen anschreie, die ich liebe? Wie sollen sie mit meiner Vergangenheit leben ohne mich dafür zu verurteilen oder mehr wissen zu wollen. Sie müssen meine Grenzen sehen, bevor ich sie sehe.

 

Borderline ist bei jedem unterschiedlich - und in jeder Lebensphase.

In einer Woche werden die Dinge die mich beschäftigen eventuell etwas ganz anderes sein - vielleicht auch nicht. 

 Aber, ich beschäftige mich mit und ich lerne daraus. 

 

Die Irre

25.9.14 19:46, kommentieren

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Was ist Borderline?

Borderline hat viel mit Vorurteilen zu kämpfen und ist sehr umfangreich. Fast alle  Artikel/Bücher usw. befassen sich damit wie umfangreich es sein kann, das hat es mir persönlich noch schwerer gemacht alles zu verstehen. Ich verstehe es jetzt noch nicht.

Kurz zusammengefasst:

Man ist unkontrollert und impulsiv. Emotionen nimmt man entweder zu schwach oder zu stark war.

Mich haben Wörter wie "Borderline" und "Persönlichkeitsstörung" überfordert und beim blossen Lesen/Hören hab ich einen Knoten im Magen bekommen. Oft musste ich beim lesen abbrechen und hab gedacht "ja, ich hab verstanden: ich bin ein Monster!", aber die Krankheit formt nicht Euren Charakter, sondern Ihr selbst. 

 Ich persönlich würde es so formulieren, das kein Borderliner ein einfaches Leben hatte, meist sind Vitas von Bordis gezeichnet durch körperlichen und seelischen Missbrauch, und um sich durch diese Traumas zu retten, haben wir einen Weg gefunden nicht mehr zu fühlen. Jetzt wo wir erwachsen sind, ist dieses Verhalten aber schlecht und hindert uns oft im alltäglichen Leben und am "normal" sein.

Wir Bordis sind einfach nicht in der Lage unsere Emotionen zu regulieren, das bedeutet nicht nur das wir "ausrasten", das bedeutet auch oft Gefühltstaubheit. Wut auf uns selbst, Hass gegen uns selbst. Auch wann manche es oft so wahrnehmen oder auch vermitteln möchten, dass Borderline das Umfeld "tyrannisiert" und es allen schwer macht, aber in Wahrheit macht man es sich nur selbst schwer. 

 Die Taktik, die Ihr Euch angeeignet habt Euch selbst in schweren Zeiten zu retten, ist jetzt genau falsch, jetzt müsst Ihr Emotionen zu lassen und spüren um glücklich zu werden.

 Ihr müsst für Euch selbst rausfinden ob Euch Lektüre zum Thema hilft, der Umgang mit anderen Betroffenen. Aber Fakt ist - zu den Emotionen und der Krankheit stehen - das hilft.

 

Ich wünsche Euch viel Kraft, alles wird gut.

 

Die Irre

25.9.14 18:51, kommentieren



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